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  10. Financial Community Update
Shareholder Aktivismus

 
 

Welche Entwicklungen führten zur Emanzipation der Aktionäre? Welches sind die wesentlichen Faktoren, die das Selbstbewusstsein der Anleger stärkte und sie von Kopfnickern zu Aktivisten wandelte? Besteht ein Zusammenhang zwischen dem gesteigerten Aktivismus unter Anlegern und den heute angestiegenen Anforderungen an die Unternehmensführung? Und wird der Aktivismus einzelner Aktionäre in der Zukunft weiter ansteigen?

Dies sind nur einige der am 10. Financial Community Update vom 29. August 2007 im Widder Hotel in Zürich diskutierten Themen. In der von Michael Düringer, Partner von IR Firm, moderierten Diskussion teilten zwei Experten der Finanzgemeinde ihre Sichtweisen und persönlichen Erfahrungen zum Thema Shareholder Aktivismus mit dem Publikum.

Dr. Ulrich Grete, Präsident des AHV-Ausgleichsfonds, den der Tages-Anzeiger im Juni 2007 als einen kritischen Aktionär bezeichnete, repräsentierte in der Diskussion die Seite der Investoren. Zu Beginn der Diskussion strich er hervor, dass institutionelle Investoren wichtige Entscheide immer autonom treffen müssten, da sie ihre Entscheidungen unabhängig zu vertreten haben. Da gebe es für den AHV Ausgleichsfonds, der bei seinen Entscheiden auch das politische Umfeld berücksichtigen müsse, keinen Platz für Verbündete.

Den Blickwinkel des Verwaltungsrats und der Unternehmen repräsentierte Dave Schnell, ein erfahrener Verwaltungsrat, der bereits verschiedene Situationen miterlebte, in welchen das Management von einzelnen Aktionären kritisiert wurde. In seiner Antwort auf die Frage, welches die wichtigsten Lehren aus seiner Tätigkeit bei SIG waren, betonte er die Bedeutung der guten Vorbereitung. Die Strategie und Ausrichtung des Unternehmens sowie ein allfälliges Defence-Konzept müsse klar definiert sein, bevor eine kritische Situation eintrete. Nur so sei es möglich, nach aussen mit klaren Positionen aufzutreten.

Die Frage zu den Gründen, die zum Aktivismus der Investoren führten, beantwortete Dave Schnell mit einer relativierenden Antwort: Im Moment seien die Organisationen, die wie der AHV-Ausgleichsfond eine starke eigene Position vertreten, noch eine Ausnahme. In Regel würden sich die Investoren immer noch eher für das Business-Modell oder die Zukunftsperspektiven des Unternehmens als für die Corporate Governance-Themen interessieren. Ein weiterer Grund für Aktivismus liege darin, dass es den Aktionären, besonders den institutionellen Investoren, bewusster geworden sei, dass sie für die Stimmrechte bezahlt haben und diese deshalb auch nutzen sollten.

In der Frage zu den aktuell breit diskutierten „Lohnexzessen“ warnte Ulrich Grete vor Populismus: 99% der Managerlöhne seien in Ordnung, obwohl die emotional geführte Diskussion dem Volk ein anderes Bild vermittle. Wichtig sei es zu erkennen, dass nur der Verwaltungsrat die Arbeit des Managements richtig beurteilen könne. Es dürfe deshalb nicht die Aufgabe der Generalversammlung sein, die Lohndiskussionen mit dem Management zu führen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass ein kontinuierlicher Dialog zwischen Unternehmen und Anlegern massgebend dazu beiträgt, einen möglichen Konflikt gar nicht erst eskalieren zu lassen. Vielmehr fördert der Dialog das gegenseitige Verständnis der vertretenen Standpunkte und hilft Meinungsverschiedenheiten abzubauen.

 
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