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  9. Financial Community Update
Inszenierungen in der Finanzwelt

 
 

Unter dem Titel „Inszenierungen in der Finanzwelt“ trafen am 9. Financial Community Update im Hotel Widder zwei Welten zusammen, die vordergründig wenig gemein zu haben scheinen: Das Theater und die Finanzindustrie. Volker Hesse, künstlerischer Co-Leiter des Welttheaters Einsiedelns und ehemaliger Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin und dem Zürcher Theater Neumarkt – dem breiteren Finanzpublikum am ehesten für die Inszenierung des Stücks ‚Top Dogs’ bekannt – erörterte mit der Schriftstellerin Nicole Müller, was Theater und Wirtschaft verbindet und was die beiden Welten voneinander lernen können.

Inszenierungen in der Wirtschaftswelt sind nichts Neues. Die Personalisierung von Wirtschaftsakteuren und die zunehmende Skandalisierung haben sich als unentbehrliche Stilmittel etabliert. Wirtschaftsthemen werden so zunehmend auch für ein breites Publikum attraktiv. Im Theater hingegen werden Wirtschaftsthemen selten aufgegriffen, obschon ‚Wirtschaft’, wie Volker Hesse ausführt, sehr oft die Prozesse bestimmt, die direkt in das Leben der Menschen eingreifen. Das klassische Theater hat sich in seiner langen Geschichte meist um andere Themen gekümmert.

Die Gründe für diese Berührungsängste sind vielfältig. Gemäss Hesse hätten Schauspieler und Künstler oft nur wenig Ahnung von wirtschaftlichen Prozessen und sehen Wirtschaftsführer als Finanzhaie, als ‚generalverdächtige’ Protagonisten im kapitalistischen Kampf. Umgekehrt habe er in den Vorbereitungen zu ‚Top Dogs’ festgestellt, dass viele Wirtschaftsakteure unfähig seien, aus den eigenen, eingefahrenen rationalen Denkmustern auszubrechen. Auch in extremen Situationen, wie etwa bei einer Freistellung, erfolge eine Verunglimpfung der eigenen Situation, wobei das oberste Ziel stets die Fortsetzung des bisherigen Denken und Handelns ist.

Auf Nicole Müllers Frage, inwiefern sich Wirtschaftsführer denn das Handwerk des Schauspielers zu Nutze machen könnten um überzeugend aufzutreten, machte Hesse klar, dass es keine Patentrezepte gebe. Natürlich sei Körpersprache eminent wichtig, doch Empfehlungen à la „Sei mal etwas lockerer“ würden selten den gewünschten Effekt bringen. Überzeugende Auftritte bedingen innere Überzeugung, das wichtigste sei dabei „mit sich stimmig zu sein“. Dilemma-Situationen müssten deshalb unbedingt entschärft, eigene Verleugnung um jeden Preis vermieden werden.

Volker Hesse beobachtet die Elemente der Glaubhaftigkeit bei führenden Persönlichkeiten: Gelassenheit und die durch Erfahrung gewonnene Ruhe sind die Träger wahrer Überzeugungskraft. Wichtig dabei ist besonders das Auslassen fremder Posen, man muss „bei sich sein“, denn die Eigenheiten einer Persönlichkeit sind eine Stärke. Etwa das Auftreten von Angela Merkel im letzten Deutschen Wahlkampf zeigt, dass eigenständige Figuren Erfolg haben. Authentizität führt zu erhöhter Wahrhaftigkeit.

Abschliessend bemerkte Hesse, dass gute Manager mit Bezug auf die Mehrung ihrer Lebensqualität vermehrt ausserhalb der ökonomisch-rationalen Sphäre denken sollten und dafür böten Literatur und Kunst sehr bereichernde Ausgangspunkte. Auch sollten sich Wirtschaftsführer und Theaterleute vermehrt bemühen in einen Dialog zu treten und die eigenen Weltbilder gegenseitig zu reflektieren. Nicole Müller schloss treffend: „Man kommt nicht um das Theater rum“ – treffende Inszenierungen bewegen das Theater wie die Finanzindustrie.

 
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